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Steuern

Bewirtungskosten Selbstständige 2026: 70-%-Regel, Bewirtungsbeleg und EÜR-Buchung

Bewirtungskosten zu 70 % absetzen — Selbstständige und Freiberufler erfahren hier 2026 die Regeln, die Pflichtangaben auf dem Beleg und typische Fehler.

Veroeffentlicht
Aktualisiert
Autor:in
Diana

Du lädst Kunden zum Mittagessen ein, triffst dich mit potenziellen Auftraggebern im Café oder besprichst Projektdetails beim Geschäftsessen? Diese Bewirtungskosten kannst du als Selbstständiger oder Freiberufler steuerlich absetzen — aber nur, wenn du die Spielregeln des Finanzamts kennst. Wir zeigen dir die 70-%-Regel, die Pflichtangaben auf dem Bewirtungsbeleg und die häufigsten Fehler, die teuer werden können.

Was zählen zu Bewirtungskosten?

Bewirtungskosten sind alle Aufwendungen für Speisen, Getränke und Nebenleistungen (zum Beispiel Trinkgeld oder Garderobengebühr), die du im Rahmen eines geschäftlichen Anlasses übernimmst. Maßgebend ist § 4 Abs. 5 Nr. 2 EStG. Typische Beispiele:

  • Geschäftsessen mit Kunden, Partnern oder Lieferanten
  • Networking-Events mit Verpflegung, wenn du Gastgeber bist
  • Vertragsverhandlungen im Restaurant
  • Bewirtung von Geschäftspartnern bei einem Workshop oder Seminar

Rein private Einladungen oder Geburtstagsfeiern sind nicht absetzbar. Auch wenn der Anlass überwiegend privat ist — selbst wenn ein paar Kunden mit am Tisch sitzen — verlierst du den vollen Abzug.

Die 70-%-Regel: Wie viel kannst du absetzen?

Bei Geschäftsessen mit externen Personen — Kunden, potenzielle Auftraggeber, Geschäftspartner — gilt eine wichtige Einschränkung: Du darfst nur 70 % der Nettokosten als Betriebsausgabe abziehen. Die restlichen 30 % gelten als private Lebenshaltung und sind steuerlich verloren.

Ein Beispiel: Du zahlst 119 € brutto für ein Geschäftsessen (100 € netto + 19 € Umsatzsteuer). Dann buchst du 70 € als Betriebsausgabe (70 % von 100 €) und ziehst die volle Vorsteuer von 19 €.

Sonderfall Mitarbeiterbewirtung: Bewirtest du ausschließlich eigene Mitarbeiter (Team-Lunch, Weihnachtsessen unter dem 110-€-Freibetrag, internes Strategiemeeting), greift die 70-%-Regel nicht. Diese Kosten sind zu 100 % als Betriebsausgabe abziehbar.

Auch reine Aufmerksamkeiten wie Kaffee, Wasser oder Kekse beim Kundenmeeting im eigenen Büro sind keine Bewirtung — sie laufen ohne 30-%-Kürzung als Betriebsausgabe durch.

Vorsteuerabzug: 100 % bei korrektem Beleg

Anders als die einkommensteuerliche 70-%-Regel kannst du die volle Vorsteuer (100 %) ziehen — auch auf den nicht abziehbaren 30-%-Anteil. Voraussetzung: Du hast eine ordnungsgemäße Rechnung. Bei Beträgen über 250 € brutto gelten die vollen Pflichtangaben einer Rechnung, inklusive deines Namens und deiner Anschrift. Diese musst du dir vom Restaurant auf den Beleg drucken oder eintragen lassen.

Bist du Kleinunternehmer, entfällt der Vorsteuerabzug — dafür buchst du den vollen Bruttobetrag und ziehst davon 70 % als Betriebsausgabe ab.

Bewirtungsbeleg: Pflichtangaben 2026

Der Bewirtungsbeleg ist Pflicht und muss seit 2023 maschinell und elektronisch vom Kassensystem des Restaurants erzeugt werden (BMF-Schreiben vom 30.06.2021). Handschriftliche oder vom Wirt nachträglich gedruckte Belege erkennt das Finanzamt nicht mehr an.

Auf der Vorderseite (vom Restaurant) müssen stehen:

  • Name und Anschrift der Gaststätte
  • Datum der Bewirtung (maschinell aufgedruckt)
  • Aufgliederung der Speisen und Getränke (nicht nur „Speisen und Getränke“)
  • Steuernummer oder Umsatzsteuer-ID der Gaststätte
  • Fortlaufende Rechnungsnummer aus dem Kassensystem
  • Bruttobetrag, Nettobetrag und ausgewiesene Umsatzsteuer

Auf der Rückseite ergänzt du handschriftlich:

  • Anlass der Bewirtung (konkret, zum Beispiel „Vertragsverhandlung Projekt XY“, nicht nur „Geschäftsessen“)
  • Namen aller Teilnehmer inklusive dir selbst
  • Höhe des Trinkgelds, separat ausgewiesen
  • Datum und deine Unterschrift

Die Angabe „Geschäftsessen mit Kunden“ reicht dem Finanzamt nicht. Du musst den konkreten Bezug zu deiner unternehmerischen Tätigkeit darlegen.

Häufige Fehler — und wie du sie vermeidest

  • Bargeldzahlung ohne Bewirtungsbeleg: Der Abzug wird komplett gestrichen.
  • Vergessene Teilnehmernamen: Auch wenn du allein mit einer Kundin warst — beide Namen müssen auf den Beleg.
  • Pauschaler Anlass: „Mittagessen“ oder „Kundengespräch“ ohne konkreten Geschäftsbezug wird abgelehnt.
  • Eigene Familienmitglieder als „Geschäftspartner“: Der Finanzbeamte erkennt das. Halte privat und beruflich strikt getrennt.
  • Trinkgeld vergessen: Trinkgeld ist Teil der Bewirtungskosten und ebenfalls zu 70 % abziehbar — aber nur, wenn separat dokumentiert.

So buchst du Bewirtungskosten in der EÜR

In der Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) ordnest du Bewirtungskosten meist auf zwei Konten zu: in SKR03 das Konto 4650 (Bewirtungskosten, 70 % abziehbar) und 4654 (nicht abziehbarer Anteil 30 %). In SKR04 sind es die Konten 6640 und 6644. Die Vorsteuer wird vollständig als Eingangsumsatzsteuer gebucht.

Wenn du Bewirtungsbelege mit der KI-Buchhaltung von Norman erfasst, splittet das System den Betrag automatisch in den abziehbaren und nicht abziehbaren Anteil, ordnet die Vorsteuer richtig zu und legt den Beleg GoBD-konform ab — du fotografierst ihn nur mit dem Handy.

Bewirtungskosten vs. Reisekosten

Reist du zu einem Kundentermin und isst dort allein im Restaurant? Das sind keine Bewirtungskosten, sondern fallen unter die Verpflegungspauschale auf Geschäftsreisen (16 € bei mehr als 8 Stunden Abwesenheit, 32 € bei mehrtägigen Reisen). Erst wenn du dort einen Kunden zum Essen einlädst, wird daraus eine Bewirtung mit 70-%-Regel.

Bewirtungskosten als GmbH oder UG

Für die GmbH gilt grundsätzlich dieselbe 70-%-Regel — allerdings mit anderen Konten und zusätzlichen Anforderungen an die Geschäftsführerverantwortung. Details findest du im Artikel GmbH Bewirtungskosten.

Fazit

Bewirtungskosten sind eine der wertvollsten Betriebsausgaben für Selbstständige — vorausgesetzt, du dokumentierst sauber. Die 70-%-Regel und der vollständige, maschinell erzeugte Bewirtungsbeleg sind Pflicht. Wer Belege per App erfasst, spart sich bei jedem Geschäftsessen 5 bis 10 Minuten Verwaltung und vermeidet Stress bei der Betriebsprüfung. Probier Norman kostenlos aus und lass die KI die Buchung übernehmen.

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