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Brille absetzen 2026: Was Selbstständige und GmbH-Geschäftsführer wirklich abziehen können

Eine normale Sehhilfe ist privat — Punkt. Aber Schutzbrille, Bildschirmarbeitsplatzbrille und der Vorsteuerabzug spielen in einer eigenen Liga. Hier sind die Regeln 2026 für Selbstständige und GmbH-Geschäftsführer.

Kategorie
Steuern
Aktualisiert
Autor:in
Diana

„Kann ich meine Brille von der Steuer absetzen?“ — eine der häufigsten Fragen, die Selbstständige und Geschäftsführer uns stellen. Die kurze Antwort: in den meisten Fällen nein. Die längere Antwort hat drei Ausnahmen, die echte Steuerersparnis bringen — und einen vGA-Fallstrick, der GmbH-Geschäftsführer teuer zu stehen kommen kann.

Die Grundregel: Sehhilfen sind privat

Der Bundesfinanzhof hat in mehreren Urteilen klargestellt: Eine normale Brille zur Korrektur einer Sehschwäche ist ein privater Aufwand. Auch dann, wenn du sie acht Stunden am Tag am Schreibtisch trägst. Das gilt für Selbstständige (Betriebsausgabe ausgeschlossen) und für Angestellte gleichermaßen (Werbungskosten ausgeschlossen).

Der Grund: Sehkraft ist keine Berufsbedingung, sondern eine Körperfunktion. Du brauchst die Brille auch beim Lesen, Autofahren oder Filmschauen — der betriebliche Anlass fehlt. Mehr zum Unterschied liest du in Werbungskosten vs. Betriebsausgaben 2026.

Drei Ausnahmen, die als Betriebsausgabe durchgehen

1. Schutzbrille

Eine Sicherheitsbrille beim Schweißen, eine Laborbrille, eine UV-Brille für Outdoor-Berufe — alles, was spezifisch dem Schutz vor berufstypischen Gefahren dient, ist zu 100 % Betriebsausgabe. Privat würdest du diese Brille nicht tragen. Bei Anschaffungswerten unter 800 € netto buchst du sie direkt als GWG ab — Details in GWG-Grenze 2026.

2. Bildschirmarbeitsplatzbrille

Hier wird es interessant — und kompliziert. Eine Bildschirmarbeitsplatzbrille (auch „Computerbrille“ genannt) hat speziell auf die Distanz zum Monitor abgestimmte Gläser. Sie ersetzt nicht deine Alltagsbrille, sondern wird zusätzlich angeschafft.

Damit das Finanzamt sie als Betriebsausgabe akzeptiert, brauchst du drei Belege:

  • Augenärztliches Attest, das eine spezielle Sehhilfe für Bildschirmarbeit nach § 6 ArbMedVV bescheinigt
  • Verordnung, die nur für die Arbeit am Bildschirm gilt — nicht universell einsetzbar
  • Rechnung des Optikers, die „Bildschirmarbeitsplatzbrille“ als Verwendungszweck nennt

Sind diese Punkte sauber dokumentiert, kannst du die Kosten als Arbeitsmittel verbuchen. Liegt der Preis über 800 € netto, schreibst du die Brille über die übliche Nutzungsdauer ab.

3. Vorsteuerabzug bei Bildschirm- und Schutzbrille

Was viele übersehen: Wenn die Brille als Betriebsausgabe anerkannt ist, kannst du auch die Vorsteuer ziehen. Bei einer Bildschirmbrille für 595 € brutto (500 € netto + 95 € USt) holst du dir 95 € über die UStVA zurück. Details dazu im Guide Vorsteuerabzug 2026.

GmbH-Geschäftsführer: Vorsicht vor verdeckter Gewinnausschüttung

Lässt du als Geschäftsführer deiner GmbH die Brille von der Gesellschaft bezahlen, ohne dass die ArbMedVV-Voraussetzungen lückenlos dokumentiert sind, behandelt das Finanzamt das als verdeckte Gewinnausschüttung (vGA): Die GmbH verliert den Betriebsausgabenabzug und du versteuerst den Betrag privat mit Abgeltungsteuer. Doppelt teuer.

Sicher absetzbar in der GmbH ist nur:

  • Schutzbrille (klar berufsbezogen, ohne private Nutzung)
  • Bildschirmarbeitsplatzbrille mit lückenloser ArbMedVV-Dokumentation
  • Brillen für Mitarbeiter auf Basis arbeitsmedizinischer Vorsorge

Mehr zum vGA-Risiko und wie du es vermeidest in Verdeckte Gewinnausschüttung GmbH 2026. Einen breiten Überblick, was die GmbH überhaupt absetzen kann, findest du in GmbH Betriebsausgaben 2026.

Wenn nichts davon passt: außergewöhnliche Belastung

Ist die Brille rein medizinisch motiviert und passt in keine der drei Kategorien, bleibt nur der private Weg über § 33 EStG (außergewöhnliche Belastungen, allgemeine). Allerdings: Du musst zuerst die zumutbare Eigenbelastung überschreiten — je nach Einkommen und Familienstand sind das 1 bis 7 % deiner Einkünfte. Bei 60.000 € Gewinn als Single zahlst du die ersten rund 4.200 € Krankheitskosten selbst, bevor überhaupt etwas abziehbar wird. Für die meisten Selbstständigen läuft die Brille deshalb steuerlich ins Leere.

So buchst du sauber — ein Beispiel

Fall: Webdesignerin, EÜR, kauft eine Bildschirmarbeitsplatzbrille für 595 € brutto (500 € netto, 95 € USt) mit ärztlichem Attest nach ArbMedVV.

  • Buchung als geringwertiges Wirtschaftsgut, Sofortabschreibung
  • 95 € Vorsteuer in der UStVA des Anschaffungsmonats geltend machen
  • 500 € als Betriebsausgabe in der EÜR (Aufwendungen für GWG)

Die Belege (Attest, Verordnung, Rechnung) gehören mindestens 8 Jahre archiviert — siehe Aufbewahrungsfristen GmbH 2026, die Frist gilt analog für Selbstständige.

Fazit

Eine Brille absetzen geht — aber nur, wenn sie berufsspezifisch ist und du das dokumentieren kannst. Schutzbrille: einfach. Bildschirmbrille: machbar mit Attest. Sehhilfe für den Alltag: privat. Bei der GmbH ist die Hürde noch höher, weil bei Unklarheit eine vGA droht.

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