Stundensatz berechnen als Freiberufler 2026: Formel, Beispiele und realistische Sätze
103 € sind 2026 der Durchschnittssatz freier Profis — aber dein Stundensatz hängt von Auslastung, Steuern und Vorsorge ab. So rechnest du ihn richtig.
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- Autor:in
- Diana
Die Frage trifft jeden Freiberufler irgendwann mit voller Wucht: Was nehme ich pro Stunde? 103 € sind laut Freelancer-Kompass 2026 der Marktdurchschnitt — IT-Berater liegen bei 121 €, Web-Entwickler bei 91 €. Wer sich blind am Marktdurchschnitt orientiert, übersieht den eigenen Bedarf an Steuern, Krankenkasse und Altersvorsorge. So rechnest du deinen Stundensatz so durch, dass am Ende auch netto etwas übrig bleibt.
Warum dein Wunschgehalt kein Stundensatz ist
Viele Freiberufler nehmen ein angestrebtes Brutto-Jahresgehalt — sagen wir 60.000 € — und teilen es durch 2.000 Arbeitsstunden. Ergebnis: 30 €/h. Diese Rechnung ignoriert drei Realitäten. Du bist nicht 100 % auslastbar, du zahlst alle Sozialabgaben selbst, und du brauchst Rücklagen für Krankheit, Urlaub und Auftragsflauten. Ein Angestellter mit 60.000 € Brutto kostet seinen Arbeitgeber rund 75.000 € — als Freiberufler trägst du diesen Aufschlag plus Risikoaufschlag selbst.
Die Formel: So berechnest du deinen Stundensatz
Stundensatz = (gewünschtes Netto + Steuern + Sozialabgaben + Betriebskosten + Rücklagen) ÷ verkaufbare Stunden pro Jahr. Was in jeden Posten gehört:
- Gewünschtes Netto: was bleibt zum Leben? Beispiel 36.000 € im Jahr (3.000 € im Monat).
- Einkommensteuer + Soli: ca. 25–35 % vom Gewinn, je nach Höhe.
- Krankenkasse und Pflegeversicherung: 14–17 % vom Gewinn, mindestens ca. 250 € im Monat freiwillig gesetzlich.
- Altersvorsorge: 10–15 % vom Gewinn, sonst rutscht du im Alter ins Nichts.
- Betriebskosten: Software, Büro, Equipment, Steuerberater, Berufshaftpflicht.
- Rücklagen für Krankheit, Urlaub und Investitionen: 10–15 % obendrauf.
Verkaufbare Stunden: 1.180 statt 2.080
40 × 52 = 2.080 Stunden im Jahr klingen plausibel, sind aber illusorisch. Realistisch:
- 30 Tage Urlaub = −240 h
- ~10 Krankheitstage = −80 h
- ~10 Feiertage = −80 h
- Bleibt ca. 1.680 h Anwesenheit, davon nur ~70 % billable (Akquise, Buchhaltung, Weiterbildung, Pausen)
= rund 1.180 verkaufbare Stunden im Jahr. Beispielrechnung: Bedarf 95.000 € pro Jahr ÷ 1.180 h = 80,50 € pro Stunde netto. Plus 19 % USt sind das 95,80 € brutto — der Wert, den du dem Kunden in Rechnung stellst.
Realistische Stundensätze 2026 nach Branche
Der Freelancer-Kompass 2026 nennt für die wichtigsten Tätigkeiten:
- IT-Beratung & Management: 121 €/h
- Software- und Webentwicklung: 91 €/h
- Architektur / Dev-Lead: 110–130 €/h
- UX/UI Design: 80–100 €/h
- Texter & Content: 60–90 €/h
- Buchhaltung & Steuer: 70–110 €/h
- Coaches & Trainer: 100–180 €/h
Wichtig: Über alle Branchen ist der Schnitt 2026 erstmals seit Jahren leicht gefallen — von 104 € auf 103 €. Der Markt ist enger geworden. Bei knapper Auslastung lieber den Stundensatz halten und in der Akquise nachlegen, als unter den Selbstkostenpreis zu gehen.
Steuern und Sozialabgaben — was du sonst vergisst
Als Freiberufler oder Selbstständiger zahlst du selbst:
- Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag (auf den Gewinn, nicht den Umsatz)
- Gewerbesteuer, falls du Gewerbetreibender bist (Freibetrag 24.500 €)
- Umsatzsteuer (durchlaufend, aber liquiditätsrelevant — siehe USt-Fristen 2026)
- Krankenversicherung und Altersvorsorge — siehe Vorsorgeaufwendungen für Selbstständige
- Berufshaftpflicht und ggf. Künstlersozialkasse für Kreative
Plane mindestens 40–50 % deines Umsatzes für Steuern und Sozialabgaben ein. Mehr Details zu Steuervorauszahlungen für Selbstständige findest du im passenden Leitfaden.
Stundensatz vs. Tagessatz vs. Festpreis
- Tagessatz = Stundensatz × 8 (oft mit 5–10 % Tag-Rabatt für längere Buchungen)
- Festpreis = Stundenschätzung × Stundensatz × 1,2 als Risikopuffer
- Discount auf langfristige Projekte: maximal 10–15 %, sonst frisst die Marge
Bei größeren Projekten arbeite mit Meilenstein-Zahlungen — wie das mit Anzahlungs- und Schlussrechnung sauber funktioniert, zeigt unser Praxis-Guide.
Fazit
Ein realistischer Stundensatz beginnt nicht beim Marktpreis, sondern bei deinem Bedarf — Lebenshaltung, Steuern, Vorsorge, Rücklagen — geteilt durch ehrliche 1.100 bis 1.500 verkaufbare Stunden. Die meisten Freiberufler unterschätzen sich um 20–30 %. Mit Norman schreibst du Rechnungen kostenlos inklusive E-Rechnung — so siehst du Monat für Monat, ob dein Stundensatz auch nach Steuern noch trägt.
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